Begriffe und Definitionen
Zahl der Zuzüge aus dem Ausland minus Zahl der Fortzüge ins Ausland, wie sie die Meldebehörden registrieren. Zieht eine Person im selben Jahr mehrfach zu oder fort, wird sie mehrfach gezählt. Fortzüge werden weniger zuverlässig erfasst als Zuzüge, weil sich viele Menschen beim Wegzug nicht abmelden. [2]
Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich unter Berufung auf völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe in Deutschland aufhalten und mit einem entsprechenden Status im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst sind. Es gibt drei Gruppen: offener Schutzstatus (Asylverfahren läuft noch), anerkannter Schutzstatus (befristeter oder unbefristeter humanitärer Aufenthaltstitel) und abgelehnter Schutzstatus (nach Ablehnung oder Verlust des Titels ausreisepflichtig). Begriffe wie „Flüchtling“, „Asylbewerber“ oder „Asylberechtigter“ bezeichnen jeweils nur Teilmengen. [4]
Ein Erstantrag ist der erste Asylantrag einer Person in Deutschland; ein Folgeantrag wird nach unanfechtbarem Abschluss eines früheren Verfahrens gestellt. Die Gesamtschutzquote des BAMF ist der Anteil aller Entscheidungen, in denen Flüchtlingsschutz (§ 3 Abs. 1 AsylG, einschließlich Asylberechtigung nach Art. 16a GG), subsidiärer Schutz (§ 4 Abs. 1 AsylG) oder ein Abschiebungsverbot (§ 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG) festgestellt wurde. Im Nenner stehen auch formelle Entscheidungen, etwa wenn nach der Dublin-Verordnung ein anderer EU-Staat zuständig ist. [5]
Ausreisepflichtig ist, wer kein Aufenthaltsrecht (mehr) hat. Eine Duldung ist kein Aufenthaltstitel, sondern die vorübergehende Aussetzung der Abschiebung, z. B. wenn Reisedokumente fehlen oder gesundheitliche Gründe entgegenstehen. Die Mehrheit der Ausreisepflichtigen ist geduldet. [9]
Die Quellen nutzen unterschiedliche Bevölkerungsgrundlagen (Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus bzw. Ausländerzentralregister) und sind daher nicht beliebig miteinander verrechenbar. Die Zeitreihen der Bevölkerung haben einen Bruch durch den Zensus 2022. [3]
Zu- und Abwanderung
Seit 2010 ziehen jedes Jahr mehr Menschen nach Deutschland als fort. Die Nettozuwanderung schwankt stark: Hohe Werte gab es 2015 (Bürgerkrieg in Syrien) und 2022 (russischer Angriff auf die Ukraine). 2025 sank sie auf rund 235.000 Personen, 45 % weniger als im Vorjahr. Bei deutschen Staatsangehörigen ziehen seit 2005 jedes Jahr mehr Menschen fort als zu. [1] [2]
Zuzüge, Fortzüge und Saldo über die Grenzen Deutschlands, 2011–2025 (Personen)
| Gruppe | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Insgesamt | 430.000 | 235.000 |
| Deutsche Staatsangehörige | −81.000 | −97.000 |
| aus der Ukraine | 121.000 | 96.000 |
| aus Syrien | 75.000 | 25.000 |
| aus der Türkei | 41.000 | 24.000 |
| aus Afghanistan | 33.000 | 19.000 |
| gegenüber EU-Staaten | −34.000 | −54.000 |
| Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 184 vom 1. Juni 2026 [2] | ||
Schutzsuchende
Ende 2025 lebten 3.236.395 Schutzsuchende in Deutschland, das sind rund 3,9 % der Bevölkerung (eigene Berechnung). Der Anstieg 2022 fällt mit der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine zusammen; sie erhalten ohne Asylverfahren eine Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz nach § 24 AufenthG. [2] Die Zahl der Personen mit offenem Verfahren sank 2025 auf 360.500. [3]
Schutzsuchende nach Schutzstatus, jeweils 31.12. (Personen)
Asylanträge und Entscheidungen
2025 nahm das BAMF 113.236 Erstanträge entgegen, gut die Hälfte weniger als 2024. 17.707 davon (15,6 %) betrafen in Deutschland geborene Kinder unter einem Jahr. Die meisten Erstanträge kamen von Staatsangehörigen Afghanistans (23.972), Syriens (23.256) und der Türkei (11.919). Die Zahl der Folgeanträge stieg auf 55.307. [5] Von Januar bis August 2026 gingen 47.296 Erstanträge ein, 39,6 % weniger als im Vorjahreszeitraum. [6]
Asylanträge beim BAMF, 2010–2025 (Anträge)
Die Gesamtschutzquote sank 2025 auf 28,1 %. Sie unterscheidet sich stark nach Herkunft: Für Afghanistan lag sie 2025 bei 67,2 %, für die Türkei bei 8,1 % und für Syrien bei 2,1 %. Der Anteil des subsidiären Schutzes an allen Entscheidungen fiel von 24,9 % (2024) auf 1,6 % (2025), der Anteil der Ablehnungen stieg von 30,5 % auf 46,8 %. Von Januar bis August 2026 lag die Gesamtschutzquote bei 37,0 %. [5] [6]
Entscheidungen des BAMF nach Art, 2016–2025 (Anteil an allen Entscheidungen in %)
| Jahr | Entscheidungen | Schutzquote % |
|---|---|---|
| 2016 | 695.733 | 62,4 |
| 2017 | 603.428 | 43,4 |
| 2018 | 216.873 | 35,0 |
| 2019 | 183.954 | 38,2 |
| 2020 | 145.071 | 43,1 |
| 2021 | 149.954 | 39,9 |
| 2022 | 228.673 | 56,2 |
| 2023 | 261.601 | 51,7 |
| 2024 | 301.350 | 44,4 |
| 2025 | 310.930 | 28,1 |
| Quelle: BAMF, Aktuelle Zahlen 12/2025; Quote 2016–2023 eigene Berechnung aus den dort genannten Entscheidungszahlen, 2024 und 2025 wie vom BAMF ausgewiesen [5] | ||
Arbeitsmarkt (Kurzüberblick)
Die Bundesagentur für Arbeit beobachtet gesondert Staatsangehörige der acht zugangsstärksten Asylherkunftsländer („TOP 8“: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien) und der Ukraine. Im August 2025 waren rund 673.000 Menschen aus den TOP-8-Ländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt (+67.000 zum Vorjahr), dazu 298.000 ukrainische Staatsangehörige (+77.000). Die Beschäftigungsquoten beider Gruppen sind in den letzten Jahren gestiegen, liegen aber deutlich unter der von Deutschen. [7]
Beschäftigungsquote nach Staatsangehörigkeit, August 2025 (in %)
| Kennzahl | TOP 8 | Ukraine | Stand |
|---|---|---|---|
| Arbeitslosenquote (eingeschränkte Bezugsgröße) | 27,9 | 39,7 | 08/2025 |
| SGB-II-Hilfequote (erwerbsfähiges Alter) | 38,4 | 51,9 | 07/2025 |
| Veränderung Beschäftigungsquote zum Vorjahr (Prozentpunkte) | +4,4 | +6,7 | 08/2025 |
| Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Blickpunkt Arbeitsmarkt April 2026 (Datenstand Oktober 2025) [7] | |||
Die Quoten beruhen auf Rohdaten des Ausländerzentralregisters; die BA empfiehlt, die absolute Höhe nicht überzubewerten und vor allem Zeitverlauf und Vergleich zu betrachten. Die Beschäftigungsquote unterscheidet nicht nach Aufenthaltsdauer; aus der Forschung ist bekannt, dass Erwerbstätigkeit mit der Aufenthaltsdauer steigt. Viele Nicht-Beschäftigte sind zudem nicht arbeitslos, sondern in Schule, Ausbildung, Studium oder Integrationskurs. [7] [8]
Arbeitsmarkt im Detail
Eine eigene Unterseite vertieft das Thema mit Zeitreihen ab 2010 nach Staatsangehörigkeitsgruppen (EU, EU-Osterweiterung, Westbalkan, Drittstaaten, Asylherkunftsländer, Ukraine). Kurzüberblick: Im Juni 2026 waren 6,02 Mio. Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt (hochgerechnet). Ihre Beschäftigungsquote lag bei 58,7 %, die der Deutschen bei 69,9 %. Bei Staatsangehörigen der Asylherkunftsländer stieg sie von 14,6 % (Juni 2016) auf 52,1 % (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Migrationsmonitor, Stand 09/2026). [12] Die Unterseite behandelt außerdem Beschäftigung nach Aufenthaltsdauer und Geschlecht, Anforderungsniveau, Branchen, Löhne, Bürgergeld, Erwerbsmigration, Anerkennung von Berufsabschlüssen, Sprachkurse, Bundesländer und den EU-Vergleich, jeweils mit Quellen.
Abschiebungen und Ausreisepflicht
2025 wurden 22.787 Abschiebungen vollzogen. Die häufigsten Zielstaaten waren die Türkei (2.297), Georgien (1.690), Spanien (1.162), Frankreich (1.053) und Serbien (875). Daneben reisten 16.576 Personen mit Förderung aus dem Bund-Länder-Programm REAG/GARP freiwillig aus; weitere 36.177 freiwillige Ausreisen mit Grenzübertrittsbescheinigung erfasste die Bundespolizei. [9]
| Kennzahl | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Vollzogene Abschiebungen | 16.430 | 20.084 | 22.787 |
| Dublin-Überstellungen an andere Mitgliedstaaten | 5.053 | 5.827 | 5.377 |
| Geförderte freiwillige Ausreisen (REAG/GARP) | – | 10.225 | 16.576 |
| Ausreisepflichtige am 31.12. | – | 220.808 | 232.067 |
| davon mit Duldung | – | 178.512 | 190.974 |
| davon ohne Duldung | – | 42.296 | 41.093 |
| Quellen: Antworten der Bundesregierung auf Kleine Anfragen, BT-Drs. 20/11471 (2023) [11], 20/14946 (2024) [10], 21/4103 (2025) [9]. „–“ = in der jeweiligen Antwort nicht für diesen Stichtag ausgewiesen. | |||
Bei 137.699 der Ausreisepflichtigen Ende 2025 war ein abgelehnter Asylantrag im AZR gespeichert. Laut Bundesregierung muss diese Ablehnung nicht die Ursache der Ausreisepflicht sein und kann länger zurückliegen. [9]
Quellen
- Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland von 1950 bis 2025. Statistisches Bundesamt (Destatis). https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/wanderungen-zwischen-deutschland-und-dem-ausland-jahr-02.html Abgerufen am 26.09.2026
- Nettozuwanderung 2025 mit 235 000 Personen deutlich gesunken (Pressemitteilung Nr. 184 vom 1. Juni 2026). Statistisches Bundesamt (Destatis). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_184_12411.html Abgerufen am 26.09.2026
- Schutzsuchende nach Schutzstatus und Berichtsjahren. Statistisches Bundesamt (Destatis). https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Tabellen/schutzsuchende-zeitreihe-schutzstatus.html Abgerufen am 26.09.2026
- Glossar: Schutzsuchende. Statistisches Bundesamt (Destatis). https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Glossar/schutzsuchende.html Abgerufen am 26.09.2026
- Aktuelle Zahlen, Ausgabe Dezember 2025. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-dezember-2025.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Aktuelle Zahlen, Ausgabe August 2026. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-august-2026.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Arbeitsmarktpartizipation von Staatsangehörigen der Asylherkunftsländer (TOP 8) und der Ukraine, April 2026. Statistik der Bundesagentur für Arbeit. https://statistik.arbeitsagentur.de/…/Blickpunkt-AM-Arbeitsmarktpartizipation-von-Staatsangehoerigen-der-Asylherkunftslaender.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Migration und Arbeitsmarkt (Interaktive Statistik mit Hinweisen zu den Quoten). Statistik der Bundesagentur für Arbeit. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Migration-Zuwanderung-Flucht/Migration-Zuwanderung-Flucht-Nav.html Abgerufen am 26.09.2026
- Antwort der Bundesregierung: Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2025, Drucksache 21/4103 vom 11.02.2026. Deutscher Bundestag. https://dserver.bundestag.de/btd/21/041/2104103.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Antwort der Bundesregierung: Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2024, Drucksache 20/14946 vom 11.02.2025. Deutscher Bundestag. https://dserver.bundestag.de/btd/20/149/2014946.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Antwort der Bundesregierung: Abschiebungen und Ausreisen 2023, Drucksache 20/11471 vom 16.05.2024. Deutscher Bundestag. https://dserver.bundestag.de/btd/20/114/2011471.pdf Abgerufen am 26.09.2026
- Migrationsmonitor, Berichtsmonat August 2026. Statistik der Bundesagentur für Arbeit. https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?topic_f=migrationsmonitor Abgerufen am 26.09.2026